Heise 08.07.2026
12:00 Uhr

heise+ | EUDI-Wallet: Warum die staatliche Brieftasche einen schweren Start haben wird


2027 soll die EUDI-Wallet die Digitalisierung antreiben. Doch die Gefahr einer Bauchlandung ist real, auch weil zuerst nur eine abgespeckte Version startet.

heise+ | EUDI-Wallet: Warum die staatliche Brieftasche einen schweren Start haben wird

Die Idee ist überzeugend und naheliegend: nie wieder Plastikkarten, nie wieder Papierdokumente. So wie Kredit- und Debitkarten schon heute bei manchen Menschen im Smartphone oder der Smartwatch zu Hause sind, so sollen bald alle möglichen Dokumente digital nutzbar sein. Vom Angelschein bis zum Zulassungsbescheid soll alles in eine digitale Brieftasche wandern, und zwar in die von der EU konzipierte „EU Digital Identity Wallet“, kurz EUDI-Wallet.

Viele Leser werden sich nun fragen: „Wo ist die Neuigkeit?“ Denn Wallet-Apps gibt es schon längst – Apple stellte sein „Passbook“ 2012 vor, das später in „Wallet“ umbenannt wurde. Und auch Googles Wallet-App für Smartphones ist nicht mehr taufrisch. Die Apps der US-Konzerne werden bereits millionenfach genutzt, für Zahlungen, Bordkarten, Veranstaltungstickets und Ähnliches.

Die kommenden digitalen Brieftaschen unter dem Label „EUDI-Wallet“ unterscheiden sich allerdings in wichtigen Punkten von den Wallets von Apple und Google. Der wichtigste Akteur im EUDI-Ökosystem ist nicht ein IT-Konzern, sondern der Staat. Die Bundesregierung verspricht ein hohes Datenschutzniveau, zum Beispiel dadurch, dass persönliche Daten lokal auf dem Gerät gespeichert werden. Und dass jeder Akteur, dem Nutzer ihre Wallet-Inhalte präsentieren können, sich vorab bei einer Aufsichtsbehörde registrieren müsse.